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Mit Claude oder Gemini lässt sich heute eine Landingpage in einem Schuss generieren. Nur sieht sie dann meistens nicht aus wie gewünscht. Was sich nicht verschoben hat: gute Sachen brauchen weiterhin Zeit, und Shortcuts gibt es keine.
Woran man eine KI-Site erkennt
Mir fällt es auf den ersten Blick auf. Farben, die nicht ganz zusammenpassen. Fonts, die irgendwo zwischen sauber und langweilig sitzen. Cards und Sektionen, die für sich okay sind, zusammen aber keinen Hand und Fuss haben. Buttons wechseln den Stil zwischen den Sektionen, Link-Farben sind plötzlich anders. Der erste Eindruck stimmt, in den Details bricht es auseinander.
Sprachlich erkennt man es deutlicher. Gedankenstriche überall, weil die Modelle so trainiert sind, und in der Schweiz dazu das ß, das wir gar nicht haben.
Und es ist meistens ein Onepager. Alles auf einer Seite, kein CMS dahinter. Macht KI gut, weil es einfach ist. Schwierig wird's, wenn jemand etwas anpassen will, der nicht gerne im Code rumwühlt oder wieder ein LLM beiziehen muss.
Was ich draufpacke
Ich starte selten von null. Mit Claude lasse ich mir zehn oder fünfzehn Designvarianten generieren, irgendwo zwischen klassisch und experimentell. Eines davon trägt meistens eine Idee, die ich weiterverfolgen will. Das ist mein Ausgangsmaterial. Designen ist nicht meine Stärke, hier hilft mir KI weiter.
Danach fängt der Teil an, den die KI nicht macht. Ich gehe das Design durch und schaue, wo es bricht. Buttons, die zwischen den Sektionen den Stil wechseln. Link-Farben, die plötzlich woanders sind. Cards mit drei verschiedenen Schatten. Ich räume das auf, definiere wiederverwendbare Komponenten und entscheide, was bleibt und was raus muss. Manchmal kommen Elemente dazu, wo vorher Lücken waren, manchmal verschwinden ganze Blöcke, die nur Platz gefressen haben.
Dann der Text. Ich lese laut, werfe Gedankenstriche raus, mache ß zu ss, kürze Sätze, schreibe um, was nach Marketing klingt. Das geht nicht in einem Durchgang.
Und am Schluss die Details: kleine Animationen, präzise Hover-States, saubere Mobile-Spacings, die heute mit Tailwind und ein paar Helper-Klassen in einer halben Stunde sitzen. Vor fünf Jahren hätte das Tage gedauert. Heute kriege ich diese Wertigkeit fast nebenher rein, und genau das ist der Unterschied.
Warum das (immer noch) Handwerk ist
KI ist ein Werkzeug, kein Maler. Sie liefert dir Material, manchmal sehr gutes, aber jemand muss führen, entscheiden, polieren. Die Designsprache zusammenhalten, die Sprache an den Ort anpassen, die Details setzen, die einer Site Wertigkeit geben. Wer das überspringt, kriegt eine Seite, die nach KI aussieht, und Kunden merken das. Vielleicht nicht in Worten, aber im Bauchgefühl.
Das ist auch der Grund, warum eine ordentliche Webseite weiterhin Zeit kostet, selbst wenn der erste Wurf in zehn Minuten steht. Die Arbeit verschiebt sich nur. Vom Erstwurf zum Polish, vom Schreiben zum Redigieren, vom Bauen zum Verdichten. Mal geht es schneller, mal dauert es länger, aber ohne Aufwand kommt nichts Ordentliches raus.